Liste der  in der Stiftung Lindgens vertretenen Künstler (Auswahl)

Arp, Hans
Barlach, Ernst
Berke, Hubert
Breuer, Leo
Chagall, Marc
Dahmen, Karl Fred
Davringhausen, Heinrich Maria
Felixmüller, Conrad
Flecken, Emil
Geiger, Ruprecht
Gerster, Otto
Grieshaber, HAP
Grossmann, Rudolf
Grosz, George
Heckel, Erich
Herkenrath, Peter
Hofer, Karl
Hundertwasser, Friedensreich
Itten, Johannes
Jaeckel, Josef
Jansen, F. M.
Klauke, Jürgen
Kovacs, Attila
Kubin, Alfred
Luther, Adolf
Marcks, Gerhard
Meistermann, Georg
Mense, Carlo
Oberbeckmann, Heinrich
Oberhoff, Ernst
Räderscheid, Anton
Ronig, Ludwig
Ruffing, Franz
Ruland, Heinz
Schinnerer, Adolf
Schmitz-Imhoff, Käthe
Schoofs, Rudolf
Schulze, Bernard
Seehaus, Richard
Siepmann, Heinrich
Sundhaussen, Helmut
Thomkins, Andre
Trier, Hann
Trökes, Heinz
Uecker, Günther
Vasarely, Viktor
Vordemberge, Friedrich
Wellenstein, Walter
Wilding, Ludwig
Walter Lindgens

Stiftung Lindgens

Stiftung des Malers Walter Lindgens

Walter Lindgens entstammt einer altrenommierten Kölner Industriellenfamilie. Er wurde 1893 in Köln-Mülheim geboren und trat auf elterlichen Wunsch zunächst ein Chemiestudium in Oxford an, das er nach dem Ersten Weltkrieg in Köln fortsetzte, um sich dann aber 1920 ganz der Malerei zuzuwenden.


Künstlerische Ausbildung

Er studierte an der Münchener Akademie bei den  Professoren Karl Caspar (1879-1956), Josef Eberz (1880-1942) und Adolf Schinnerer (1876-1949), deren religiös gefärbter Expressionismus ihn anfangs tief beeindruckte. 1922-24 studierte er an der Akademie in Rom.

In diese Zeit fallen auch  Studienaufenthalte  auf Lipari und in der Toskana  sowie erste Ausstellungen bei  der Galerie Hans Goltz in München und Flechtheim in Frankfurt.

Von 1924-26 setzte Lindgens seine Studien in Paris an der renommierten Ecole Julien fort. Danach ließ er sich bis 1936 als freier Maler in Paris nieder. Seine wirtschaftliche Situation erlaubt es ihm, gleichzeitig Ateliers in München und Berlin zu unterhalten.


Erste Erfolge

Die bekannten Galerien Nierendorf in Berlin und Flechtheim in Düsseldorf vertreten ihn und verhelfen ihm zum Durchbruch.

Sein damaliger Erfolg lässt sich an den zahlreichen Ausstellungen in bekannten Museen, Kunstvereinen und Galerien und ebenso an den vielen positiven Besprechungen und Katalogpublikationen ablesen.


1936 reist Lindgens nach Kamerun und Nigeria; ein Jahr später heiratet er Hildegard Riehmer und wohnt seitdem in Berlin, wo er auf einer Insel im Teupitzsee ein Atelier begründet.

Der Zweite Weltkrieg unterbricht seine künstlerische Laufbahn. Lindgens ist von 1940-46 als Gräberoffizier nach Frankreich, Belgien und Italien abkommandiert. Während des Krieges geht der größte Teil seines Frühwerkes verloren.

Nach Notquartieren in Berlin siedelt er 1948 nach Köln über, wo er bis 1968 im Vorstand des Wirtschaftsverbandes Bildender Künstler (WBK) tätig ist. 

Walter Lindgens, Kriegsinvalider, 1923

Im Bergischen

1951 baut er in Hoffnungsthal bei Köln ein Atelierhaus, in dem er mit seiner Frau bis zu seinem Tod 1978 lebt und arbeitet. Von hier aus hat Lindgens viele Reisen unternommen, u. a. nach Spanien, Brasilien, Südwest-Afrika.

Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland haben sein Werk weithin bekannt gemacht. 


Seit 1970 hat sich  Lindgens als Mitglied des Rheinisch-Bergischen Künstlerkreises auch an Ausstellungen in Bergisch Gladbach beteiligt, die damals  im Gebäude der städtischen Volkshochschule stattfanden. 1972 und 1973 wurden ihm dort Einzelausstellungen ausgerichtet.


Walter Lindgens, Wundersame Welt V, 1964

Seine Stiftung

Das kinderlose Ehepaar Lindgens hat schließlich 1973 mit der Stadt Bergisch Gladbach einen Vertrag geschlossen, durch den der künstlerische Nachlass von Walter Lindgens einschließlich seiner Kunstsammlung bei Ableben der Stadt Bergisch Gladbach zufallen sollte.

Lindgens starb 1978. Seitdem verwaltet die Städtische Galerie Villa Zanders diesen Bestand und stellt regelmäßig hieraus wechselnde Ausstellungen zusammen.

Der Bestand umfasst ca. 500 eigene Gemälde, wobei das zumeist abstrakte Spätwerk in der Überzahl ist. Vom dem deutlich französisch bzw. kubistisch geprägten Frühwerk ist hingegen wegen der hohen Kriegsverluste nur wenig übrig geblieben. Dennoch gestattet das erhalten gebliebene Material im Verein mit dem ausführlichen, 1973 zu Lebzeiten von Lindgens erschienenen  Werkverzeichnis von Richard Kreidler (Schriftenverzeichnis) eine recht genaue Vorstellung seiner künstlerischen Entwicklung. 


Walter Lindgens, Blauer Stern, umklammert, 1961
Sie steht anfangs unter dem Eindruck des Spätexpressionismus, führt über die Auseinandersetzung mit Cézanne und der französischen Moderne in den ersten Nachkriegsjahren kurzzeitig zu einem eigentümlichen, bisweilen rokokohaften Romantizismus, um schließlich seit den 50er Jahren unter dem Eindruck von so unterschiedlichen Meistern wie Picasso, Marc Chagall, Oskar Schlemmer, Max Ernst, Paul Klee und anderen Vorbildern  den Anschluss an die Moderne zurückzufinden.

Das Alterswerk schwankt zwischen ornamentaler Abstraktion und poetischer Naturverklärung, wobei Mikrokosmos und Makrokosmos in eins zusammenfallen.

Mit dieser Fremdorientierung und Widersprüchlichkeit spiegelt das Gesamtwerk exemplarisch die Situation vieler Künstler wider, die nach dem Zweiten Weltkrieg einen Neubeginn und zugleich den Anschluss an internationale Entwicklungen suchten.

Bilder und Blätter

Die von Walter Lindgens zusammengetragene Grafiksammlung dokumentiert begleitend die skizzierte Entwicklung.

Als junger Mann hatte er  noch vornehmlich von der damaligen künstlerischen Avantgarde illustrierte Bücher und Zeitschriften wie „Querschnitt“ oder „Genius“ gesammelt und natürlich auch die Mappenwerke seiner Lehrer. Blätter von Erich Heckel, Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner, Ernst Barlach, Lovis Corinth und vielen anderen zeigen sein waches Interesse an den neuesten Entwicklungen. 


Das nach 1945 gesammelte Material belegt hingegen wohl weniger seine persönlichen Neigungen, eher seine weitreichenden Kontake zu  Kollegen. Denn viele dieser Blätter sind vermutlich auf dem Tauschweg in seine Hand gelangt und somit Ausdruck freundschaftlicher Bindungen vor allem in der rheinisch-kölnischen Szene ab 1950, die sich allein schon durch seine Vorstandstätigkeit im WBK ergaben.

Größere Konvolute Stammen von dem Maler Peter Herkenrath (1900-1992) und dem Bildhauer Gerhard Marcks (1889-1981), mit denen er wohl enger befreundet war. Auch zu dem Maler Emil Flecken (1890-1981) muss es eine engere Bindung gegeben haben.

Eine große Zahl weiterer rheinischer Künstler ist mit einem oder auch mehreren Blättern vertreten. Es heißt, der vermögende Lindgens habe nicht selten Blätter angekauft, um notleidende Berufskollegen finanziell zu unterstützen. 

Besondere Hervorhebung verdient seine Freundschaft mit Marc Chagall (1889-1985), insbesondere mit seiner Frau Vava, die Lindgens mehrmals porträtiert hat. 

Neben den künstlerisch gestalteten Neujahrgrüßen  Chagalls aus vielen Jahren haben sich kostbare, Walter Lindgens persönlich zugeeignete Bände mit Originallithographien erhalten.

Darüber hinaus gestattet die umfangreiche Korrespondenz des Künstlers mit Malern seiner Zeit tiefe Einblicke in die Situation nach 1945.  Viele wertvolle Autographen von bekannten Größen der Zeit geben zu erkennen, wie schwer doch der Neuanfang nach Kriegsende für viele gewesen sein muss.

Wenngleich dieser Bestand noch nicht ausgewertet worden ist, so  ist seine kultur- und kunstgeschichtliche Bedeutung für das Rheinland schon jetzt deutlich. Seine systematische Erschließung ist eine lohnenswerte Aufgabe für die Zukunft.