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Bamberg, Dom und Orgel
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Bamberg, Villa Concordia
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Bamberger Reiter, Bamberg
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Bayreuth, Villa Wahnfried
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Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus
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Bayreuther Festspielhaus
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Bayreuther Festspielhaus
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Coburg, Schloss Ehrenburg
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Europäisches Glasmuseum, Rosenau
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Europäisches Glasmuseum, Rosenau
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EZB, Frankfurt
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Jewel, Dichroitisches Glas Laszlo Lukacsi 2012
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Klein Venedig, Bamberg
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Pompejanum, Aschaffenburg
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Rokokoaltar, Vierzehnheiligen
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Schloss Weissenstein, Pommersfelden
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Tierra del Fuego, Toots Zynsky
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Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus, Gruppenfoto

„Franken im Herbst“

(15.10. – 20.10.2019)

Bericht der Kulturreise des Galerie+Schloss e.V.

Erstes Ziel unserer Herbstreise war die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main. Die Zentralbank des Euroraumes ist ein offizielles Organ der Europäischen Union und die zentrale Institution des Eurosystems und des für die Bankenaufsicht zuständigen Einheitlichen Aufsichtsmechanismus. In der Zentralbank arbeiten mehr als 3500 Bankspezialisten aus ganz Europa im Rahmen der Bankenaufsicht.

Auf dem ehemaligen Areal der Großmarkthalle in Frankfurt entstanden nach der Grund¬steinlegung im Frühjahr 2010 der Neubau mit einer Höhe von 185 Metern und ein Um¬bau der 250 Meter langen Großmarkthalle auf einer Grundstücksfläche von 120000 m2. 2014 wurde der Bau fertiggestellt. Die ehemalige Großmarkthalle wurde von 1926 bis 1928 nach den Plänen von Herrn Professor Martin Elsaesser errichtet.

Preisträger des Architekturwettbewerbs für den Neubau mit mehr als 300 Mitbewer-bern war das Architekturbüro Coop Himmelb(l)au aus Wien. Ein diagonal in die Gro߬markthalle eingestellter und 20 Meter auskragender Baukörper ist das Eingangs¬bau¬werk und der Verbindungstrakt zu den Bürotürmen. Das charakteristische Ziegelmauer¬werk und die Betonrasterfassade der Großmarkthalle wurden denkmalge¬recht saniert. Die Fassaden des Doppel-Büroturms mit transparentem Atrium sind als monolithische dekonstruktivistische Glaskörper konzipiert. Mehr als 700 Bäume aus 25 verschiedenen Baumarten umgeben die Freiflächen rund um den EZB-Neubau und sind von dem Schweizer Unternehmen Vogt Landschaftsarchitek¬ten nach Prinzipien und Neuinterpretationen traditioneller englischer Gärten gestaltet. Sicherheitsmaßnahmen mit Gräben, Außenmauer und ein pallisadenähnlicher Zaun umschließen das Gelände transparent und landschaftlich eingebettet. Der direkt am Main liegende Osthafen ist als Hafenpark mit Restaurationen in ehemaligen Krananla¬gen sehr ansprechend umgenutzt. Der Architekt und Künstler Georg Diet¬rich erläuterte Konzept und Architektur des EZB-Neubaus. Besonders eindrücklich an Hand eines gefalteten Blatt Papiers, zerknüllen des Papiers und Nutzung der neu entstandenen Papierstruktur als Beispiel einer architektonischen Grundlage erklärte er anschaulich die Prinzipien des Dekonstruktivismus in der modernen Architektur.

Der anschließende Besuch des Main Tower gab uns aus 200 Metern Höhe eine hervorra¬gende Übersicht der einmaligen Hochhausarchitektur Frankfurts. Der Main Tower wurde von 1996 bis 1999 erbaut und von den Architekten Schweger + Partner postmodern und im Sockelbereich durch die Einbeziehung historischer Fassaden im Baustil der Neorenaissance gestaltet. Im 53 Obergeschoss genossen wir unser Mittages¬sen im Main Tower Restaurant in 187 Metern Höhe mit Blick auf Innenstadt, Messegelände, Bahnhof und Main bis zum Flughafen Frankfurt am Horizont. Bei son¬nig wolkigem Himmel nutzen wir das gute Wetter für einen abschließenden Spazier¬gang entlang der Hochhäuser bis über den Main zum Museumsufer.

Am Abend bezogen wir unsere modernen komfortablen Zimmer in dem Romantik Hotel Restaurant Messerschmitt in Bamberg mit historischem Weinhaus und Weinkeller, dessen Geschichte bis 1422 zurückreicht. Seit 1832 befindet sich das Elternhaus des berühm¬ten Flugzeugpioniers Professor Willy Messerschmidt in sechster Generation in Familienbesitz.

Am Mittwoch begannen wir mit einer Stadtführung durch Bamberg. Nach Venedig und Prag repräsentiert Bamberg die drittgrößte erhaltene frühmittelalterliche Stadt Europas mit Bergstadt, Inselstadt und Gärtnerstadt, welche 1993 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Diese einzigartige Mischung historischer Stadtstrukturen hat sich bereits Jahrhunderte erhalten. Entlang der alten Gerberhäu¬ser am Ludwig-Kanal gingen wir zum Rathaus. Der Sage nach wollte der Bischof von Bamberg keinen Platz für den Bau eines Rathauses gewähren. Die Bamberger schu¬fen daher eine künstliche Insel in der Regnitz, zur Errichtung des Rathauses von 1387, neu erbaut 1461 bis 1467 und umgebaut von 1744 bis 1756 durch Johann Ja¬kob Michael Küchel mit repräsentativem Rokokosaal und Fassadenmalereien, heute Sitz der Porzel¬lansammlung Ludwig. Die Bauleidenschaft der Fürstbischöfe verlieh der Stadt eine barocke Pracht, welche durch Steuererleichterungen Hausbesitzern durch neue barocke Fassaden mittelalterlicher Fachwerkgebäude oder neue Barockbau¬ten jahre¬lange Steuerfreiheit gewährte. Am Fuße des Diozösanmuseums in der Domplatz¬straße sind Mittelalter und Barock beim Blick auf die Vorderer Bach Straße sehr prä¬sent. Anhand der historischen Rauchbierbrauerei Schlenkerla und der daneben liegen-den Hof Bäckerei Seel in der Dominikanerstraße wurde uns der Zusammen¬hang von Hefe und Bierbrauerei erklärt. Entlang der historischen Brauhäu¬ser gelang¬ten wir in die Alte Hofhaltung, dem ehemaligen Wohn- und Wirtschaft¬gebäude der bischöflichen Hofhaltung, die ab dem 15. Jahrhundert an der Stelle der Pfalz Kaiser Heinrichs II errichtet wurde. Der repräsentative Eingang mit dem Relief von Maria, Heinrich und Kunigunde, Petrus und Georg, die Bischöfe Otto und Kilian werden zu den Seiten durch liegende Figuren flankiert die Main und Reg¬nitz symbolisieren, ge¬krönt vom Würzburger Wappen. Unsere Führung endete am Fürstenportal, welches eine Darstellung des Jüngsten Gerichts mit Jesus als Weltenrich¬ter im Tympanon enthält.

Der romanische Bamberger Dom St. Peter und St. Georg gehört zu den deutschen Kaiserdomen und prägt mit seinen vier Türmen den Domberg. Domgründer waren Heinrich und seine Gemahlin Kunigunde 1007 und wurde 1012 wurde der Dom ge-weiht. 1081 brannte der erste Dom 1081 vollständig ab. 1237 fand die Weihe des jetzigen Domes statt. Im 17. Jahrhundert wurde der Dom barockisiert und von 1828 bis 1837 entfernte man diese und schuf eine neuromanische Einrichtung. 

Herr Dr. Vomm erklärte und die Adamspforte und den Dom. Diese der Hauptzugang zu dem Dom und zeigt neben Stephanus, Heinrich II, Kunigunde, Petrus, Adam und Eva als lebensgroße Aktfiguren erstmals seit der Antike. Berühmt sind der Bamber¬ger Reiter, die älteste erhaltene mittelalterliche Darstellung eines Reiters, welcher um 1235 als mehreren Schilfsandsteinblöcken von einem unbekannten Meister gehauen wurde. Das Hochgrab mit der Darstellung des heiligen Kaiserpaars Heinrichs II und seiner Gemahlin Kunigunde wurde 1513 von Tilmann Riemenschneider geschaffen. Unsere Stadtbesichtigung setzten wir nach dem Dombesuch fort. An der Schleuse 100 setzten wir mit der Fähre über zum Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia über. Diese Institution für Literatur, bildende Kunst und Musik wurde am 20.10.1997 durch das Bayrische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gegrün¬det. Bis zu zwölf Künstler erhalten hier ein einjähriges Stipendium mit Woh¬nung und Atelier. Von 1997 bis 2010 wurde es von Bernd Goldmann geleitet. Seit April 2010 führt die Lyrikerin Nora-Eugenie Gomringer diese Institution. Die barocke Villa Concordia ist von 1716 bis 1722 am Ufer der Regnitz von dem Hofbeamten Ig¬naz Tobias Böttinger in Auftrag gegeben und von Johann Dientzenhofer gebaut wor¬den. Bis 1787 war das Haus in Familienbesitz. 

Bei den aktuellen Stipendiaten Johannes Tassilo Walter und der Engländerin Kate Mackeson durften wir die Ateliers im Neuen Ebracher Hof, dem einstigen Stadtpalais der Mönche des Klosters Ebrachs besuchen und die Künstler zu ihren aktuellen Arbei¬ten befragen.

Am Nachmittag schloss unser Programm mit der Führung durch die älteste Brauerei Bambergs ab. Das „Klosterbräu“ besteht seit 1533. Ursprünglich war es das „Fürstbischöf¬liches Braunbierhaus“ und blieb bis 1790 im fürstbischöflichen Besitz. Danach ist es bis heute in privatem Besitz. Uns wurde erklärt, wie der Zucker vom Malz durch die Gärung mit Hilfe der Hefe in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird. Dies gelang Brauereien neben Bäckereien deutlich besser, da die Hefe als mikro¬skopisch kleine Pilzsporen ungewollt in den Gärprozess gelangte. Erst 1789 erkannte man diesen Zusammenhang. Die Anwendung verschiedener Hefegruppen führt aufgrund der geringen Zelloberfläche und Art der Vermehrung zu einem Absin¬ken der untergärigen Hefe nach sechs bis acht Tagen und zu einem Ansteigen der obergärigen Hefe durch die Kohlensäure und großen Zelloberfläche zum Aufsteigen der Hefe zur Oberfläche nach vier bis sechs Tagen. Obergärige Biere sind durch die Anwendung verschiedener Zuckerarten und durch Bildung von Aromastoffen durch die Gärungsnebenprodukte deutlich aromatischer als untergärige Biere. Die ganze Theorie und Erlebnisse des Tages konnten wir anschließend in der Gaststube des Klosterbräu bis in den späten Abend diskutieren und uns mit Bieren und fränkischer Küche verwöhnen lassen. 

Am Donnerstag war unser Ziel war das Markgräfliche Opernhaus in der oberfränki-schen Stadt Bayreuth. Nach fünfjähriger Renovierung und Restaurierung wurde die¬ses besterhaltene freistehende barocke Hoftheater von Weltrang 2018 wiedereröffnet. Als Vorbilder dienten dem Architekten Guiseppe Galli Bibiena die größten Opernhäu¬ser der Zeit in Wien und Dresden. 2012 erhielt das Hoftheater von der UNESCO den Status des Weltkulturerbes als einzigartiges Monument der Fest- und Musikkultur des 18. Jahrhunderts. Das Markgräfliche Opernhaus entspricht dem Typ eines italieni¬schen Logentheaters. Als selbsttragende Konstruktion aus Holz und Leinwand ist das Logenhaus in das Gebäude eingefügt, wobei Zuschauerraum und Bühne eine Einheit bilden und durch effektvolle illusionistische barocke Malerei ein einzigartiges Raumerlebnis schafft. Dem säulengerahmten Bühnenportal steht an der Rückseite des Zuschauerraums die prachtvolle Fürstenloge mit Symbolüberhöhung der Dynas¬tie der Hohenzollern und der Auftraggeber Markgräfin Wilhelmine und Markgraf Fried¬rich von Branden¬burg-Bayreuth gegenüber. Für die preußische Königstochter und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, Wilhelmine von Brandenburg-Bay¬reuth war das Markgräfliche Opernhaus wichtigster Schauplatz ihrer höfischen Repräsen¬tation. Wilhelmine war musikalisch und künstlerisch sehr begabt, verfasste selbst Libretti, komponierte Mu¬sik, spielte mehrere Instrumente und trat auch selbst als Schauspielerin auf. Als Leite¬rin der Hofoper versammelte sie ein Ensemble italieni-scher Sängerinnen und Sänger am Bayreuther Hof. Besonderer Anlass zur Errichtung des Opernhauses war die Hochzeit von Elisabeth Friederike Sophie, der einzigen Tochter von Wilhelmine, mit dem Herzog Carl Eugen von Württemberg im September 1748. Mit mehrwöchi¬gen Feierlichkeiten, Aufführungen von zwei italieni¬schen Opern, französischen Theater¬stücken und Schauessen wurde der Glanz und Macht des Markgrafenpaares und des Bayreuther Hofes gesellschaftlich demonstriert. Nach dem Besuch des Markgräf¬lichen Opernhauses standen der Besuch des Ri¬chard Wagner Museums als Kultstätte der Wagnerianer, das Franz-Liszt-Haus und das deutsche Freimaurermu¬seum zur Auswahl. 

Herr Demmer brachte uns mit Lesungen während der Busfahrten Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ und das „Wagnerianertum“, erklärt von Loriot, den Inhalt des Opernzyklus „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Die Götterdämme-rung“ sehr humorvoll und geistreich näher. Weitere Themen waren die Biographie und das höfische Leben von Wilhelmine und das deutsche Freimaurertum.

Am Nachmittag besuchten wir die Eremitage in Bayreuth. In der 1715 entstandenen Parkanlage liegen das Alte Schloss, das Neue Schloss mit Orangerie und Sonnentempel sowie das Ruinentheater, beeindruckende Zeugnisse des höfischen Lebens in der Zeit des Rokokos.

Freitag ging es in die ehemalige Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg nach Coburg in Oberfranken. Im Schloss Ehrenburg wurde uns sehr stolz die Geschichte der Coburger Herzöge erzählt. Diese entstammen dem Herrscherhaus der Wettinger, dessen Herrschaft 1353 bis 1918 dauerte. Das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld mit Coburg als Residenzstadt entstand 1735. Anfang des 19. Jahrhunderts gelang dem Herzogtum durch Heirat von Söhnen, Töchtern, Enkeln und Urenkeln auf die Throne europäi¬scher Königshäuser den Aufstieg zur europäischen Dynastie mit der Devise „ Andere mögen Krieg führen, du, glückliches Coburg, heirate!“. Als Traumpaar des 19. Jahrhun¬derts galt die Ehe von Viktoria, Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, der damals mächtigsten Frau der Welt, mit ihrem Cousin Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha am 10. Februar 1840. Die Ehe galt als Liebesheirat und das Paar hatte neun Kinder, 40 Enkel und 88 Urenkel.

Das Residenzschloss der Herzöge von Sachsen-Coburg, Schloss Ehrenburg, ent-stand 1543 bis 1547 aus einem Franziskanerkloster. Kaiser Karl V. soll der Dreiflügelan¬lage den Namen „Ehrenburg“ gegeben haben. Nach einem Brand wurde das Schloss unter Herzog Albrecht ab 1690 zu einer barocken Residenzanlage ausge¬baut. Aus dieser Zeit sind der sehr prachtvolle Riesensaal mit Stuckarbeiten der Italiener Carlo Domenico und Bartolomeo Luchese, Atlantenfiguren als Träger der Decke mit 56 Wappen ehemaliger Herrschaftsbereiche und Bildern der Künste und Wissenschaften sowie die Hofkirche erhalten. Die zwei Stockwerke hohe Hallenkir¬che (1690 begonnen und 1738 eingeweiht) nimmt die gesamte Länge und Breite des Westflügels ein. Die im Zentrum des Stuckmarmoraltares angebrachte Schwalbennestkanzel lässt sie als protestantische Kirche erkennen. Nach 1810 gab der damals noch junge Berliner Architekt Karl Friedrich Schinkel der Schlossanlage eine neugotische Fassade mit englischem Charakter. Die Wohn- und Gesellschafts¬räume wurden von dem französischen Architekten André-Marie Renié-Grétry zwi¬schen 1816 und 1840 im Stil des französischen Empire mit Möbeln, Uhren und Leuch¬tern aus Paris eingerichtet.

Weiterer Höhepunkt war der Besuch der Veste Coburg. Die um 1200 entstandene Burg gehört zu den größten der Stauferzeit und gilt als eine der schönsten Wehranla¬gen Deutschlands. Für die Reformationsgeschichte ist der Aufenthalt Martin Luthers 1530 von Bedeutung. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war sie Stammsitz der Her¬zöge von Sachsen-Coburg. Heute beherbergt die Burganlage die umfangreiche kunst- und kulturgeschichtliche Sammlung der Coburger Herzöge.

Am frühen Nachmittag besuchten wir die Basilika und Wallfahrtsort Vierzehnheiligen der Franziskaner bei Bad Staffelstein. Die von Balthasar Neumann gebaute Wallfahrtskir¬che ist den heiligen Vierzehn Nothelfern geweiht und wurde von 1743 bis 1772 erbaut. Der Rokoko-Altar mit den vierzehn Nothelfern steht in der Mitte des Lang¬hauses frei im Raum. Mehrere überlappende Ovale im Innenraum schaffen einen lebendigen kurvierten Grundriss, welcher sich vom Äußeren der Kirche loslöst. Die monumentalen Dreiviertelsäulen im Inneren zeigen den herrschaftlichen An¬spruch der Wallfahrtkirche. Auf dem Rückweg nach Bamberg machten wir noch einen Abstecher zum Schloss See¬hof in Memmelsdorf, der ehemaligen Sommerresidenz und dem Jagdschloss der Bamberger Bischöfe. Die vierflügelige Anlage mit den markanten eckständigen Tür¬men wurde von 1687 bis 1696 erbaut. Die heutige Gartenanlage mit imposanter Brunnen¬anlage und Orangerie entstanden zwischen 1733 und 1779.

Der Samstag begann mit einer Führung im Schloss Weissenstein in Pommersfelden. Das Schloss wurde von 1711 bis 1718 als private Sommerresidenz des Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn erbaut. Architekt war Johann Dientzenho¬fer. Das Schloss gilt als Gründungsbau des fränkischen Barocks. Bis heute ist das Schloss im Besitz der Familie Schönborn. Der Fürstbischof schuf mit seiner Kunstsamm¬lung den Grundstock einer der größten privaten Gemäldesammlungen Alter Meister mit Gemälden von Breughel, van Dyck, Rubens und Tizian im deutschspra¬chigem Raum. Besonders prunkvoll und imposant ist das 8000 m2 große Treppenhaus, was dem höfischen Empfangszeremoniell diente und seinesgleichen nur im Schloss Versailles findet.

Unsere Rückfahrt am Sonntag führte uns zum ersten Überraschungsziel, dem Europäi¬schen Museum für modernes Glas, in Rödenthal. Gegenüber der Orangerie des Schlosses Rosenau befindet sich das Museum seit 2008 in einem Neubau. Im Erdgeschoss wird in der Dauerausstellung die Entwicklung des Studioglases von 1960 bis heute gezeigt. Die Preisträger der Coburger Glaspreise der Jahre 1977, 1985, 2006 und 2014 bilden den Grundstein der Sammlung. Diese enthält künstle-risch gestaltetes Gebrauchsglas, Objekte, Skulpturen, Lichtobjekte und Installationen aus Glas in einer überraschenden Vielfalt des Materials. Über eine transparente Glas¬t¬reppe gelangt man zum Obergeschoss mit Sonderausstellungen, Lampenglasstu¬dio und Objekten zur Glasherstellung. Weiteres Überraschungsziel war das Pompejanum in Aschaffenburg. Dies ist ein orginalg¬roßer Nachbau des Hauses „Casa die Dioscuri“ aus Pompeji. Um Kunstliebha¬bern das Studium der Antike zu ermöglichen, ließ König Ludwig I. das Pompejanum von 1840 bis 1848 durch den Hofarchitekten Friedrich von Gärtner errich¬ten. Mit Mosaikfußböden, Atrium, begrüntem Viridarium, Empfangszimmern, Schlafzimmern, Speisezimmer und Küche erhält man eine lebendige Vorstellung anti¬ken Lebens. Marmorskulpturen, Kleinbronzen, Gläser und Götterthrone der römi¬schen Antike ergänzen diesen Eindruck. Im Garten bestärken Feigen, Zypressen, Akanthus, Lorbeerbäume und Weinreben den Eindruck römischen Lebens.

Ein abschließender Spaziergang zum Schloss Johannisburg durch den Schlossgar¬ten und ein geselliges Mittagessen rundeten unsere erlebnisreiche Reise ab.

Unser Busfahrer Herr Görgens war sehr zuverlässig, souverän im Fahren und außerordentlich hilfsbereit. Auch die Teilnehmer der Reise waren durch Ihre große Begeisterung, Kooperation und zeitliche Zuverlässigkeit sehr angenehm für das Reiseteam.

(Dr. Wilhelm Krieger, Stand 25.11.2019)



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Schloss Weißenstein