Geschichte der Artothek in Bergisch Gladbach und ihre Organisationsform


Die Idee, eine Artothek der Städtischen Galerie Villa Zanders anzugliedern, reicht in den Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. So formuliert liegt dieser Termin schon sehr lange zurück, obwohl die Zeit bis heute auch kurz erscheinen mag.

 

Der Leiter des Museums, Dr. Wolfgang Vomm, kaufte mit städtischen Finanzmitteln im Hinblick auf eine zu gründende Artothek seit dieser Zeit Druckgrafiken, manchmal auch über Vermittlung eines Sammlers vor Ort. Herr Altmann selbst wurde dann, nachdem der Kontakt zum Museumsleiter gefunden war, und er sich bereit erklärt hatte, eine Artothek aufzubauen, in die Ankaufsstrategie einbezogen. Aus einer Stiftung für das Haus, die auch Druckgrafik des 20. Jahrhunderts enthielt, wurde eine Auswahl den Ankäufen hinzugefügt, so dass ca. 300 Arbeiten den Grundstock legten, als der Förderverein des Museums „Freunde der Städtischen Galerie Villa Zanders“ gegründet wurde. Als Kind dieser Förderung sollte die Artothek nun als weiteres kulturelles Angebot in Betrieb gehen. Mit einer Ausstellung „Kunst für alle“ in den Räumen der Städtischen Galerie wurde eine Auswahl des Bestandes am 25. April 1993 der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 17. Juni, mit Ende der Ausstellung, wurde dann mit der Ausleihe im Dachgeschoss begonnen. Die bescheidene Einrichtung wurde aus Bordmitteln des Hauses bestritten.



Das benötigte „Personal“ fand Herr Altmann im Kreise der Vereinsmitglieder recht schnell, schien doch die hautnahe Beschäftigung mit Kunst recht attraktiv. Die zeitliche Verpflichtung hielt sich für den einzelnen auch in Grenzen, da die Artothek nur zweimal im Monat drei Stunden geöffnet hatte; in den Schulferien war sie geschlossen. Nach heute fünfzehn Jahren sind immer noch einige Mitarbeiter der ersten Stunde in der Mannschaft. Ein bemerkenswerter Umstand. Dank gebührt allen!
 
Einen enormen Schub erhielt die Sammlung durch die Mitgliedschaft in der Griffelkunst (www.griffelkunst.de). Restblätter, die in Hamburg vorgehalten wurden, ermöglichten für geringes Geld ein Wachsen der Sammlung und halbjährlich vermehrte und vermehrt sich das Angebot um etliche Arbeiten aus Hamburg. Allerdings muss betont werden, dass nach Auffassung der beiden Herren auch klar war, dass die Griffelkunst nicht die einzige Quelle von Grafiken sein durfte, wollte man eine grafische Sammlung von Kunst nach 1945 aufbauen. Diesen Anspruch hatten sie. Regionale Künstler hätten sich diesem Qualitätsanspruch zu stellen.
 
Also kauften sie zusätzlich im Kunsthandel und in vorwiegend Kölner Auktionshäusern Arbeiten. Bei Galerien gab es Vorzugsausgaben und Editionen für kleineres Geld. So wuchs die Sammlung. Und so wird noch heute verfahren. Die direkte Anbindung an das Museum als Ort der Kunst lässt auch die Artothek durch diejenigen Künstler wachsen, die im Hause ausstellen.
 
Alle Arbeiten werden aufgelegt, das heißt, sie erhalten eine Grundplatte aus Museumskarton und ein Passepartout. Sie finden nach Passepartoutgröße Platz in Grafikschränken, versehen mit einem „Platzhalter“, z.B. 07-02. Ein Katalogblatt zeigt das Kunstwerk im Foto mit den technischen Daten, teilweise Werkbesprechungen, und mit eben dieser Zahlenkombination. Der Kunde wählt aus den blauen Ordnern sein Bild, nimmt den Flyer, und dieser lässt mit der Zahlenkombination des Platzhalters schnell das Werk im entsprechenden Fach Nr. 07 vom Mitarbeiter finden. Das Katalogblatt wird in weißen Ordnern für die Ausleihe geblockt. So trifft der Kunde seine Auswahl nur unter den ausleihfähigen Arbeiten. Dann wird das Bild gerahmt. Das muss schnell gehen! Zu diesem Zwecke verwendet die Artothek ein Wechselrahmen-System mit Magnetverschluss, das von vorne zu öffnen ist. Es gibt Rahmenmaße von 40x50 cm, 50x60 cm, 60x 70 cm, 70x70 cm, 70x80 cm usw. nach Bedarf. Das Rahmenkontingent musste mit der Ausleihzahl wachsen. Das waren und sind auch ernst zu nehmende Investitionen, obwohl mittlerweile die Artothek in der Lage ist, andere Vereinsaktivitäten finanziell zu unterstützen.
 
Eine interessante Idee war die des Sponsorings einzelner Grafiken. Geschäftsleuten und Vereinsmitgliedern wurden bereits erworbene Kunstwerke zum „Kauf“ für die Artothek angeboten. Sie selbst konnten ihre Auswahl treffen und sich mit der Arbeit identifizieren. Das Katalogblatt wurde mit Werbung oder auf Wunsch mit einfacher Namensnennung versehen. Mehr als ein Dutzend Sponsoren fanden sich bei einem ersten Anlauf.


Nach knapp drei Jahren war das Interesse so groß an der Kunst-Ausleihe geworden und der Bestand so gewachsen, dass das Angebot der Museumsleitung gerne angenommen wurde, mit der Artothek ins zweite Obergeschoss in zwei kleinere Ausstellungsräume umzuziehen, die nur durch eine Glastür getrennt werden. Das hatte den Vorteil, dass die Artothek nun sichtbar für jeden Besucher existent war und ist; Die Artothek ist Bestandteil musealer Vermittlung geworden. Umgekehrt können die Artothek-Kunden die Museumsausstellung wahrnehmen, was vorher durch die Aufzugsfahrt ins Dachgeschoss nicht möglich war. Außerdem sind die Öffnungszeiten der Nachfrage angepasst worden: Jeder Donnerstag ist Ausleihtag.
 
Häufig ausgeliehene Werke haben heute einen eigenen Rahmen (R-Nummern), auch solche, die spezielle Formate haben oder sehr empfindliche Druckoberflächen aufweisen und nicht durch den Ein- und Ausrahmungsprozess leiden sollen.
 
Dass die Artothek inzwischenauf über 1500 Arbeiten (Stand Jan. 2016) angewachsen ist, hängt sicherlich auch mit zwei Faktoren zusammen. Erstens: Die Artothek hat immer kleinere und größere Ausstellungen im Haus und auch auswärts ausgerichtet. Dadurch war ihr Aufmerksamkeit geschenkt. Vor allen Dingen hat die örtliche Presse immer die Artothek begleitet. Zweitens: ein Art-Service wurde ins Leben gerufen. Wände von Praxen, Anwaltskanzleien und Firmen werden von uns mit Kunst „bespielt“. Dabei wird auf die Dialogfähigkeit der nebeneinander hängenden Bilder geachtet. Sogar kleinere Ausstellungen werden auf Wunsch arrangiert. Diese Leistungen erhöhen andererseits unseren Ankaufsetat ganz beträchtlich, da hier selbstverständlich nicht die normale Gebührenordnung greift.
 
Die Mitarbeiterzahl ist auf 20 gewachsen. Vereinsmitglieder bekunden immer wieder Interesse an einer selbstverständlich ehrenamtlichen Mitarbeit. Es ist eine Gemeinschaft geworden, die gerne ihren Dienst verlässlich ausübt, den Kunst- und Kundenkontakt schätzt, aber auch gerne an den kleinen Exkursionen zu Ateliers und Museen in der Kölner Region teilnimmt, die Herr Altmann als Artothekleiter organisiert. Es sind die „Betriebsausflüge“. Aber auch über diese Gruppe hinaus ist eine große Gemeinschaft unter unseren Kunden entstanden, auch wenn man manchmal um das eine oder andere Bild kämpft, um es zu Hause an der Wand zu haben.
 
Die Artothek (Galerie+Schloss e.V.) ist Mitglied im Artothekenverband Deutschland e.V.
Der Artothekenverband ist zu erreichen unter:www.artothek.org