Aquarium 12, 1930, Öl/Leinwand, 22 × 14 cm

Aquarium 12, 1930, Öl/Leinwand, 22 × 14 cm

Die Stickerin, 1937, Öl/Leinwand, 65 × 54 cm

Die Stickerin, 1937, Öl/Leinwand, 65 × 54 cm


Quartier Orléans, 1942, Deckfarben/Pappe, 41 × 32,9 cm

Quartier Orléans, 1942, Deckfarben/Pappe, 41 × 32,9 cm


Inselhaus im Herbstlaub, 1937, Öl/Leinwand, 30 × 65,5 cm (Ausschnitt)
Walter Lindgren, Inselhaus im Herbstlaub, 1937, Öl/Leinwand, 30 × 65,5 cm (Ausschnitt)

Naturromantik und Großstadtflair

Die Ausstellung zum 125. Geburtstag von Walter Lindgens wird wegen des großen Interesses verlängert bis zum 13.01.2019. Eintritt frei!

Walter Lindgens


Am 27.07.2018 wäre der Maler Walter Lindgens 125 Jahre alt geworden. Wir nehmen dies zum Anlass, seine Bedeutung für das Kunstmuseum Villa Zanders noch einmal zu würdigen.

Indem Walter Lindgens, der sich 1951 in Rösrath niedergelassen hatte, sein umfangreiches künstlerisches Werk sowie seine eigene Sammlung der Stadt Bergisch Gladbach in Form einer Stiftung übertragen hat, hat er einen bedeutsamen Impuls für die Gründung der Städtischen Galerie Villa Zanders gesetzt.


Die Ausstellung stellt Aspekte aus seinem Schaffen der 1930er und 1940er Jahre in den Mittelpunkt: Einer Zeit, in der Lindgens nach längerer Auseinandersetzung mit der Kunst des deutschen Expressionismus und der französischen Moderne um Cézanne zu seinem ganz eigenen Stil fand. Bis zum Ende der 1940er Jahre orientierte er sich am romantischen Realismus, bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg Anschluss an abstrakte Tendenzen in der Kunst suchte.


Sehr eng verbunden ist diese kurze, aber bedeutende Periode im Werk Lindgens’ mit seinem Aufenthalt in Paris (1924–1936) und seinem anschließenden Umzug nach Berlin. In Frankreich sollte er Ende der 1920er Jahre aus seinem laut-schillernden Leben in der Großstadt eine Sehnsucht nach der Natur entwickeln, die sein Werk über die nächsten Jahrzehnte mitbestimmte. In Gemälden dieser Schaffensperiode mit Ausschnitten von Gärten und Wäldern tritt

die Lebendigkeit der Natur im Gewirr kleinster Blätter, Äste, Pflanzen- und Lebewesen zum Vorschein (Herbstlaub, 1930). Besonders die Reihe der Aquarienbilder aus den 1930er Jahren, in deren Themenkreis auch der große Wandteppich anzusiedeln ist, zeigen, wie sich Lindgens detailreich im Kleinleben der Natur verlieren konnte (Gobelin, um 1930).


Es sind genau jene Werke, in denen er auch gestalterisch seinen eigenen Stil findet. Dieser ist geprägt von dynamisch-grafischen Linien über flächig-malerischen Formen und einem Spiel mit fein abgestimmten Farbnuancen (Aquarium 12, 1930).

1937 siedelte der Künstler endgültig von Paris in die Hauptstadt Berlin über. Lindgens unterhielt schon in den Jahren zuvor enge Kontakte in die deutsche Großstadt, an der ihm neben dem modernen Lebensgefühl auch die schöne Umgebung gefiel. Ein Foto im „Omnibus“, dem Almanach der Galerie Flechtheim aus dem Jahr 1932, zeigt beispielhaft einen Wohnraum, den Lindgens schon vor 1937 in Berlin besaß.


Nach seiner Heirat mit Hildegard Riehmer zog die Familie in eine Stadtwohnung und Lindgens erwarb ein Atelierhaus auf der sogenannten Liebesinsel im Teupitzsee, außerhalb Berlins. Immer wieder entstehen hier Arbeiten, in denen die idyllische Insel zum Thema und der romantische Blick auf die wilde Natur, das Atelierhaus und den See hervorgehoben werden (Insel im Herbstlaub, 1937).


Bereits 1935 verbrachte Lindgens mehrere Monate auf einer Havelsee-Insel in Brandenburg. Aus diesem Aufenthalt resultierte u.a. bereits eine Serie kleiner Ölgemälde auf Papier unter dem Titel “Symphonie einer Insel” (Symphonie meiner Insel bei Mondschein, 1935).


Lindgens’ Lebensform, die schon die Pariser und auch die späteren Kölner Jahre bestimmen sollte, spiegelt bestimmende Züge seines Charakters und vor allem seiner Kunst wider. Wie schon Richard Kreidler 1973 in seiner Monographie über den Künstler schrieb, verband sich hier in Berlin seine kultivierte bürgerliche Urbanität vortrefflich mit dem Wunsch nach stiller Zurückgezogenheit und Naturnähe. Ihn reizten dabei die Übergänge in der Lebensart sowie in der künstlerischen Gestaltung.


Das Leben in der Stadt und das Verweilen in der Natur standen dabei nie unverbunden nebeneinander. Lindgens bevorzugte weder das eine, noch das andere. Parallel zu seinen Naturdarstellungen entstanden somit auch Interieurs, Stadt- und Architekturansichten. Nicht selten feiern seine Arbeiten einzelne Aspekte des modernen Lebens oder beliebte Sportarten. Zudem finden sich auch Werke, in denen Lindgens beide Sphären zusammenführt und die Zivilisation auf die Natur treffen lässt (Die Stickerin, 1937). Besonders die Interieurs der 1940er Jahre, die Lindgens’ eigene Unterkünfte zeigen, ergänzen auf ganz interessante Weise unser Bild des naturliebenden Großstädters und vervollständigen sein malerisches Universum jener Zeit.


Mit dem Beginn des Krieges, der den Künstler von 1940-1945 als Gräberoffizier nach Frankreich, Belgien und Italien bringen sollte, entstehen Ölbilder und eine Reihe von feinen Aquarellen, die Lindgens’ Quartiere in den jeweiligen Städten und seine späteren Notquartiere in Berlin und Köln zeigen. Im Kontrast zu den lebendigen Naturdarstellungen präsentiert Lindgens hier die Einrichtung seines fast stilllebenhaft wirkenden Wohnraums in kleinen, meist aquarellierten Zeichnungen. Was die Darstellungsweise beider Genres dabei verbindet, ist die Beschränkung auf einen Ausschnitt, die Detailverliebtheit und die Verbindung von zeichnerischen und malerischen Elementen. Die so entstehenden Einblicke in einzelne Zimmerecken geben uns einen sehr intimen Eindruck vom großstädtischen Wohngefühl des Künstlers während des Krieges und spiegeln in ihrer Gestaltung liebevoll den Kontrast zur wuchtigen Natur im Außenraum (Aus meinen Quartieren/Notquartiere, 1941–1946).


Von den negativen Erfahrungen des Krieges ist in diesen Arbeiten noch wenig zu spüren. Erst als Lindgens 1948 seine idyllische Inselwelt verlassen musste und in seine Heimatstadt Köln zog, schlägt sich das Erlebte auch künstlerisch in seiner Arbeit nieder. Vor allem ab den 1950er Jahren experimentiert Lindgens mit einer abstrakten Formensprache, die oft genug ihren Ausgangspunkt in der Natur findet und ihr somit auch weiterhin verpflichtet bleibt.


Kurzbiografie

1893 geboren in Köln-Mülheim

1920 – 1924 Studium in München und Rom

1924 – 1926 Studium in Paris

1926 – 1936 Freier Maler in Paris,

Ateliers in München und Berlin

Vertreten durch Galerie Nierendorf, Berlin und Flechtheim, Düsseldorf

1937 Heirat mit Hildegard Riehmer in Berlin

1937 – 1947 Wohnung in Berlin und Atelier auf der Insel im Teupitzsee

1940 – 1945 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Wehrmachtsgräberoffizier in Frankreich, Belgien und Italien

1945 – 1947 Notquartiere in Berlin, Verlust zahlreicher Werke

1948 Umzug nach Köln

1948 – 1968 Vorstandsmitglied Wirtschaftsverband

Bildender Künstler in NRW

1951 – 1978 Atelierhaus in Hoffnungsthal

1970 Mitglied Rheinisch-Bergischer Künstlerkreis

1973 Vertrag mit der Stadt Bergisch Gladbach zur Regelung des künstlerischen Nachlasses, der samt Kunstsammlung nach seinem Tod in den Besitz der Stadt übergehen soll

1978 verstorben in Hoffnungsthal

Seit Mitte der 1920er Jahre Ausstellungen im In- und Ausland sowie Unternehmung von zahlreichen Reisen


Ubierring, Merellas Zimmer, 1948/49, Aquarell, 13 × 18 cm Fotografie: M. Wittassek

Ubierring, Merellas Zimmer, 1948/49, Aquarell, 13 × 18 cm, Fotografie: M. Wittassek