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Friedrich der Große, Johann Gottfried Schadow
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Garten des Max-Liebermann-Hauses
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Erich Heckel, Mann in jungen Jahren, 1906, Brücke-Museum
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Kopf an Brückendurchfahrt
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Treppenhaus des IG-Metall-Gebäudes
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Schloss Babelsberg
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Frank O. Gehry, DZ-Bank
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Außenmauer Sammlung Feuerle
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Im Atelier von Claudia Busching
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Bundestag, Kuppel
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Das Exkursionsteam
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Kulturfahrt nach Berlin 2017

„Berlin nach der Wahl“ 26.09. - 01.10.207

Reisebericht

Nach der Anreise mit dem Bus nach Berlin und dem Bezug der Zimmer im Hotel Johann empfing uns die angenehme Atmosphäre des Schiffsrestaurants van Loon, einem umgebauten Frachtensegler, im Kreuzberger Urbanhafen am Landwehrkanal.

Am Mittwoch begann unser Besichtigungsprogramm im Schadow Haus in der unmittelbaren Nähe zum Brandenburger Tor. 2013 wurde das Atelierhaus von Johann Gottfried Schadow denkmalgerecht renoviert. Es ist das einzige erhaltene klassizistische Gebäude der im 17. Jahrhundert angelegten Dorotheenvorstadt in Berlin. Seit 1997 gehört es zum Deutschen Bundestag. Heute ist es Sitz der Artothek des Bundestages, Sitz von Wolfgang Thierse und Sitz der Verwaltung der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages. Dessen Leiter, Herr Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, Referatsleiter Kunst und Sekretär des Kunstbeirates des Deutschen Bundestages, führte uns durch die aktuelle Ausstellung „Ferner Zeiten Schatten, Fotogramme von Floris Neusüss“ und durch das Schadow Haus. Besonderer Schmuck des Hauses ist das Wandbild „Die Künste am Brunnen der Poesie“ von Eduard Bendemann, einem Schüler von Schadow von 1837.

Abschließend besuchten wir das Brandenburger Tor am Pariser Platz und schauten auf die Quadriga, wohl eines der bekanntesten Werke von Johann Gottfried Schadow, dessen Blick nach Osten zum wiedererstehenden  Schlossneubau führt.

Danach besuchten wir das Sommerhaus von Max Liebermann am Wannsee. Liebermann gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Malerei. Er war Mitbegründer und Vorsitzender der Berliner Secession und Präsident der Preußischen Akademie der Künste von 1920 bis 1933, dem Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland. Nach erzwungenem Verkauf des Sommerhauses, Umnutzung als Post, Krankenhaus und Tauchschule, konnte durch die 1995 gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft nach umfangreichen Restaurierungs- und Wiederherstellungsarbeiten das Museum „Liebermann-Villa am Wannsee“ am 30 April 2006 eröffnet werden. Wir konnten sowohl das Haus und den Garten in alter Pracht als auch viele Gemälde von Max Liebermann an dem Ort der Entstehung bewundern. Auch war das Café Max in der Liebermann Villa auf unser Kommen gut vorbereitet.

Weiterer Höhepunkt war der Besuch der Jubiläumsausstellung „50 Jahre Brücke-Museum“ in Berlin-Dahlem. Durch eine Bilderschenkung von Karl Schmidt-Rottluff und später von Erich Heckel an die Stadt Berlin wurde der Grundstein des Museums gelegt, welches am 15. September 1967 eröffnet wurde.
Gründungsmitglieder der Künstlergruppe „Brücke“ 1905 in Dresden waren Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmitd-Rottluff, sowie später Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Müller. Sie gelten als Wegbereiter der klassischen Moderne und des Expressionismus. Die kenntnisreichen Kunsthistorikerinnen Corinna Ott-Seelow und Leslie Dachselt brachten uns die Kunstwerke der Brücke-Künstler näher.

Neben dem Brücke Museum liegt das Kunsthaus Dahlem, einstiges Staatsatelier von Arno Breker, seinerzeit einer der meistbeschäftigten Künstler des Dritten Reiches und Erschaffer zahlreicher Bauplastiken der Monumentalbauten Albert Speers. Gegensätzlicher kann sich Kunstgeschichte kaum präsentieren.

Am Donnerstag startete das von uns gecharterte Salonschiff Philippa im Urbanhafen zur Fahrt nach Potsdam. Bei einem gemütlichen gemeinsamen Frühstück und späterem Mittagessen im Schiffssalon ging die Fahrt auf dem Landwehrkanal durch Schleusen in Charlottenburg bis zur Spree, die Spree aufwärts entlang des Berliner Hauses der Kulturen der Welt, des neuen Hauptbahnhofs, Bundeskanzleramtes, Paul-Löbe-Hauses, Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses und Reichstagsgebäudes. Nach einer Kehrtwende am Reichstagsgebäude fuhren wie die Spree weiter bis zur Mündung in die Havel, entlang des Südhafens, Jachthafens am Pichelsee, über die seeartig gestaute Havel, den Wannsee, vorbei an der Pfaueninsel und unter der Glienicker Brücke hindurch (kinobekannter Austauschort von Agenten). Von dort eröffnete sich der Blick auf Schloss Babelsberg mit seinen Park sowie auf das Hans Otto Theater Potsdam, den letzten Bau des uns bekannten Architekten Gottfried Böhm von 2006. Sehr eindrücklich für uns alle waren die Weite und Naturnähe von Berlin und Brandenburg.

Vom Hafen aus war es ein kurzer Weg zum neuen Kunstmuseum von Potsdam, welches am 23.01.2017 eröffnet wurde. Hasso Plattner, Mitgründer der Software Firma SAP (Systeme, Anwendung und Produkte) stiftete dieses private Kunstmuseum im rekonstruierten klassizistisch-barocken Palast Barberini am Alten Markt in Potsdam. Die aktuelle Ausstellung „Von Hopper bis Rothko - Amerikas Weg in die Moderne“ war informativ.

Mit dem Bus ging es weiter zu Schloss Babelsberg. Die Ausstellung „Pückler Babelsberg, der Grüne Fürst und die Kaiserin“ gab Einblicke in die wiederhergestellten Terrassen und die Parklandschaft mit den Glanzlichtern der Gartenkunst von Herman Fürst von Pückler-Muskau.

Am Freitag starteten wir mit unserem Bus zur Architekturführung Berlin. Frau Theresa Keilhacker, Vizepräsidentin der Architektenkammer Berlin, führte uns zum Flughafen Tempelhof (Ernst Sagebiel), zur  Architektenkammer Berlin im Gebäude Industriegewerkschaft Metall (Erich Mendelsohn), vorbei am Checkpoint Charlie zum  Jüdischen Museum (Daniel Libeskind), DZ-Bank (Frank O. Gehry), Brandenburger Tor (Karl Gotthard Langhans), zum Regierungsviertel mit Reichstag (Lord Norman Foster), Paul-Löbe-Haus (Stephan Braunfels), Kanzleramt (Axel Schultes und Charlotte Frank), Hauptbahnhof Berlin (Meinhard von Gerkan, Gerkan, Marg und Partner), Hansaviertel mit der Berliner Siegessäule (Heinrich Strack), Bauhausarchiv (Walter Gropius), Humboldt-Forum mit neuem Stadtschloss Berlin (Franko Stella), Alexanderplatz, Karl-Marx-Allee mit Strausberger Platz und Frankfurter Tor (Hermann Henselmann).

Zur Mittagszeit kehrten wir ein in die historische Markthalle Neun, einer Wiederansiedlung des kleinteiligen Lebensmitteleinzelhandels mit Street Food in Berlin Kreuzberg.

Am Nachmittag besuchten wir die Feuerle Collection, in der traditionelle Kunst aus Südostasien und kaiserliche Möbel aus China zeitgenössischer Kunst gegenübergestellt werden. Untergebracht ist diese Sammlung des Kunsthistorikers Désiré Feuerle seit dem 14. Oktober 2016 in einem monumentalen Telekommunikationsbunker aus dem Zweitem Weltkrieg. Die 6480 Quadratmeter große Fläche des Bunkers wurde von John Pawson minimalistisch und sensibel renoviert, um die ursprüngliche Aura des Bunkers zu erhalten. Im Sound Room des Eingangs in völliger Dunkelheit bei Musik von John Cage erfolgt eine ungewöhnliche Einstimmung, im Lake Room ein Raumerlebnis besonderer Art und im Incence Room können Duftzeremonien stattfinden.

Im Wechsel besuchten wir die Galerie König für zeitgenössische Kunst in der St.-Agnes-Kirche in Berlin Kreuzberg. Die Kirche aus brutal massivem Beton (Architekt Werner Düttmann) wurde 1967 fertiggestellt und war bis 2004 von der Gemeinde als Kirche genutzt. Nach dem Umbau (Architekten Brandhuber und Emde, Burlon und Riegler Riewe) erfolgte die Eröffnung der ehemaligen Kirche als moderne Kunstgalerie König 2015. Das sehr ungewöhnliche Bauprojekt wurde mit dem Architekturpreis Berlin 2016 ausgezeichnet.

Am späten Nachmittag empfing uns die bildende Künstlerin Claudia Busching in ihrem Atelier und Privathaus im Stadtteil Pankow. In ihrem Atelier präsentierte sie uns ihre neuen Raumzeichnungen und großformatigen Papierarbeiten. Werke von Frau Busching waren bereits im Kunstmuseum Bergisch Gladbach 1998 und 1999, 2011 zu sehen.

Am Samstag erkundeten wir die aktuelle Kunst im Deutschen Bundestag. Die Verhüllung des Reichstages 1995 durch das Kunstprojekt des Künstlerehepaares Christo und Jeanne-Claude brachte die Bildende Kunst in das Bewusstsein der Abgeordneten. Somit ist heute Kunst als Teil der Baukultur selbstverständlich in der Gestaltung des Bundestages und Bundeskanzleramtes. Besonders eindrücklich ist der von dem Künstler Günther Uecker gestaltete Andachtsraum. Architektonische Höhepunkte sind der Plenarsaal des Deutschen Bundestages (noch ohne die Sitzerhöhung auf insgesamt 709 Plätze im 19. Deutschen Bundestag) und der Panoramablick auf Berlin aus der spektakulären Kuppel des Bundestages von Lord Norman Foster.

Am Nachmittag fuhren wir nach Potsdam zum Schloss Sanssouci. Der preußische König Friedrich II hatte das Sommerschloss im Stil des Rokoko 1745 bis 1747 nach den Plänen des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichten lassen. Unter Friedrich Wilhelm wurde das Schloss 1841 bis 1842 erweitert. Ein Rundgang durch die Garten- und Terrassenanlagen mit Wasserspielen und Fontänen, durch Schloss Sanssouci und zur Gruft Friedrich des Großen entführte uns in eine ferne Vergangenheit.

Im Restaurant „Altes Zollhaus“, der ehemaligen Kontrollstelle der Berliner Dampfschifffahrt am Landwehrkanal neben dem Urbanhafen, fand unser geselliger Abschlussabend statt.

Auf der Rückfahrt von Berlin besuchten wir das Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig. Nach mehrjähriger Sanierung wurde das Museum am 23. Oktober 2016 wiedereröffnet. Frau Dr. Sarah Babin führte uns zu den Meisterwerken „Familienbild“ von Rembrandt Harmenzoon van Rijn, „Das Mädchen mit dem Weinglas“ von Johannes Vermeer van Delft, „Judith mit dem Haupt von Holofernes“ von Paul Peter Rubens, „Selbstbildnis als David“ von Giorgione da Castelfranco und „Das Gleichnis vom großen Gastmahl“ eines Braunschweigers Monogrammisten.

Unsere Teilnehmer der Reise waren durch Ihre Begeisterung, Freundlichkeit, Kooperation und zeitliche Zuverlässigkeit sehr angenehm für das Reiseteam.

Herr Demmer brachte uns mit literarischen Erläuterungen das Leben der Preußenkönigin Luise sowie König Friedrich II mit seiner Musik des Rokoko näher. Lesungen aus der Reise in das geteilte Nachkriegsberlin von Hanns-Josef Ortheil und Musik von Hildegard Knef machten unsere Busfahrten abwechslungsreich und kurzweilig.

Unser Busfahrer Herr Kronseder war immer sehr zuverlässig, souverän im Fahren und brachte uns alle wieder sicher zurück nach Bergisch Gladbach.
(Dr. Wilhelm Krieger, Stand 08.10.2017)

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Havelfahrt im Restaurantschiff