Meissen
Blick auf Meißen

Kulturfahrt 2014 nach Meißen und Dresden 

03. - 09.10.2014

Auf der Hinreise und Rückreise war Weimar Zwischenstopp der Busfahrt und bot mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten einen guten Einstieg in die Kulturreise. In Meißen bezogen wir dann das Hotel zentral an der Frauenkirche am Rande des Marktplatzes. Im Domkeller Meißen, Teil des historischen Burgberges und ältester Gaststätte Meißens mit dem schönsten Panoramablick auf Meißen, konnten wir uns an der sächsischen Gastlichkeit erfreuen.

Am Samstag besuchten wir die 1861 im Triebischtal neu errichtete Betriebsstätte des Porzellanmuseums. Mit kompetenter Führung wurden wir durch den modernen Er-weiterungsbau, die Schauwerkstatt und das exzellente Museum geleitet. Anschließend brachte uns der Bus bis zum Aufzug des Burgberges, welcher einen bequemen Aufstieg zum Burgberg ermöglichte. Nach Einführung in den frühgotischen Dom nahmen wir an einem Orgelkonzert teil. Danach folgte eine Führung durch die Albrechtsburg, eines der bedeutendsten Bauwerke von Spätgotik bis zur Renaissance, dem ersten Schloss Deutschlands mit Sitz der Wettiner von 1089 bis 1918 und der ersten europäischen Porzellanmanufaktur 1710.

Ein Klavierkonzert der japanischen Künstlerin und Professorin für Klavier in Dresden, Frau Rieko Yoshizumi, exquisit für den Galerie und Schloss-Verein in dem Thürmer Pianoforte Museum und die Führung von Jan Thürmer in die Historie des Piano forte rundeten den Tag in Meißen ab.

Am Sonntag besuchten wir bei schönstem Herbstwetter das Barockschloss Moritzburg. August der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen ließ dieses repräsentative Jagd- und Lustschloss auf den Mauern eines Renaissancebaus von 1723 bis 1733 errichten. Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Schlosses gehören der weltweit umfangreichste Bestand an originaler Innenausstattung mit bemalten und geprägten Ledertapeten sowie eine historische Jagdtrophäensammlung. Auch wurde die Geschichte der „Brücke“ Künstler um Schloss Moritzburg von Herrn Dr. Vomm erläutert. Danach besuchten wir das Künstlerhaus Dresden-Loschwitz, ein Haus mit sechzehn Ateliers und Wohnungen, welches 1898 von dem Architekten Martin Pietzsch erbaut wurde. Dieses Haus gehört zu den frühesten Jugendstilhäusern Dresdens.

Der Künstler Konrad Maass erlaubte uns, sein Atelier im Künstlerhaus zu besichtigen und gab intime Einblicke in die Arbeit eines Künstlers zu DDR-Zeiten, in der Zeit des Mauerfalls und der Gegenwart. Gestärkt durch das Mittagessen in dem Schillergarten neben dem blauen Wunder in Dresden-Blasewitz, erklärte uns Herr Dr. Vomm kunsthistorisch das Krematorium von Fritz Schumacher in Dresden Tolkewitz. Dieses 1911 erbaute Krematorium mit Urnenhof ist ein bedeutender Monumentalbau des Jugendstils und war richtungsweisend für seine Zeit.

Am Abend führte uns ein Sektempfang zwischen den Weinbergen mit Blick auf den gegenüberliegenden Burgberg von Meißen in die Geschichte des ältesten Weingutes Schloss Proschwitz von Prinz zur Lippe ein. Erbaut wurde das Barockschloss 1701 bis 1704. Nach wechselvoller Geschichte und vollständiger Enteignung 1945 kaufte Georg Prinz zur Lippe seit 1990 Stück für Stück die elterlichen Weinberge zurück und baute das Weingut Schloss Proschwitz in Zadel wieder auf. 1996 erwarb Prinz zur Lippe auch das Schloss seiner Eltern wieder zurück. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat die Restaurierung des Schlosses maßgeblich unterstützt.

Am Montag folgte ein kurzer Besuch in Pirna mit historischem Marktplatz und die Besichtigung des Schlosses und des Parks von Pillnitz. August der Starke schenkte diese Anlage 1707 seiner berühmten Mätresse Gräfin Anna Constantia von Cosel. Das Wasserpalais mit der mächtigen Freitreppe zur Elbe, das Neue Palais und das Bergpalais nach den Plänen von Daniel Pöppelmann, gelten als das bedeutendste Beispiel des chinoisen Stils des Barocks in Europa und wurden von Dr. Vomm kunsthistorisch erklärt. Orangerie, Englischer Garten und chinesischer Pavillon ergänzen den barocken Lustgarten. Ab 1768 wurde Schloss Pillnitz die Sommerresidenz des sächsischen Königshauses. Die bekannteste botanische Besonderheit, die über 250 Jahre alte Kamelie aus Japan, wurde von Herrn Dr. Krieger historisch und botanisch erläutert und auf die Thematisierung der Kamelie in der Literatur und Musik mit der Kameliendame von Alexandre Dumas hingewiesen.

Der Besuch der Bastei im Elbsandsteingebirge und die sächsische Dampfschifffahrt von Rathen entlang der Weinberge und Schlösser bis nach Dresden ließen uns die außergewöhnliche Landschaft der Elbe spannend und unvergleichlich erleben.

Nach kurzem Spaziergang von den Brühlschen Terrassen am Abend konnten wir die Zimmer in dem großzügigen Hotel am Schloss beziehen.

Am Dienstag führte uns Herr Rene Schmidt, Direktor des Goethe Theaters in Bad Lauchstädt, von der Kreuzkirche, Altmarkt, Denkmal der Sophienkirche, dem Stadtpavillion des Zwingers, Taschenbergpalais, Zwingerwall, Wallpavillion, Nymphenbad, Theaterplatz mit Semperoper, Hofkirche und Schloss bis zur Brühlschen Terrasse. Kenntnissreich und sehr engagiert erläuterte er uns die städtebauliche Situation, Baugeschichte und kunsthistorische Bedeutung dieser Bauwerke.

Danach schloss sich die Führung eines Ingenieurs alter Schule in der Frauenkirche an. In der Gemäldegalerie Alte Meister brachte uns Herr Dr. Vomm die Werke von Bernardo Belotto (genannt Canaletto) mit Ansichten von dem Zwingerhof, dem rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke und dem Neumarkt von Dresden näher. Eine ungewöhnlich engagierte Führung durch einen Opernregieassistenten am späten Abend erklärte uns die Semperoper in allen Details.

Mittwochmorgen folgten Historisches Grünes Gewölbe – Barocke Schatzkammer und Neues Grünes Gewölbe – Museum für Schatzkunst, eine der reichsten Schatzkammern Europas mit Weltruf. Die Schatzkammern sind ein barockes Gesamtkunstwerk als Ausdruck von Reichtum und absolutistischer Macht von August dem Starken.

Die 2001 eröffnete die Gläserne Manufaktur des VW Nobelautos Phaeton und das 2011 mit dem keilförmigen Neubau des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind durchschnittene historische Arsenal aus dem Jahr 1877 zeigten uns außergewöhnliche Beispiele moderner Architektur.

Der Architekt Clemens Galonska führte uns durch die erste Deutsche Gartenstadt von 1908 nach englischem Vorbild. Diese ist Sitz der Deutschen Werkstätten und zeigt eine noch heute gelebte Gesellschaftsutopie.

Ein gemeinsames Abendessen im Weinzimmer des Italienischen Dörfchens am Elbufer und Theaterplatz ließen uns die ereignisreichen Tage und die umfangreichen neuen Eindrücke in Dresden abschließen.

Herr Demmer führte uns in die geistige Haltung des Bildungsbürgertums am Ende der DDR-Zeit mit der Lesung „Der Turm“ von Uwe Tellkamp. Literarische Erläuterungen zu dem Buch und Texte aus der lyrischen Hausapotheke von Erich Kästner machten unsere Busfahrten abwechslungsreich und kurzweilig. Unser Busfahrer Herr Fiebig war zuverlässig, souverän im Fahren und sehr humorvoll.

Aber auch die Teilnehmer der Reise waren durch Ihre Begeisterung, Kooperation und zeitliche Zuverlässigkeit sehr angenehm für das Reiseteam.

(Stand 17.10.2014 v. Wilhelm Krieger)