Kommunale Galerie

Die kommunale Galerie


Im historischen Ambiente der Erdgeschoßräume werden überwiegend Gemälde des 19. Jahrhunderts von solchen Künstlern gezeigt, die zumeist in einem unmittelbaren Bezug zu Bergisch Gladbach bzw. zu Maria Zanders standen. Sie gehören alle der Düsseldorfer Malerschule an: Catharina Fischbach, Johann Wilhelm Lindlar, Carl Ludwig Fahrbach u.a.


Um den Ausbau dieses Bestandes hat sich insbesondere Herr Hans Wolfgang Zanders verdient gemacht.
Lessing
Carl Friedrich Lessing (1808 - 1880): Klosterhof im Schnee, um 1828, Öl auf Leinwand Dauerleihgabe der Paul Luchtenberg Stiftung, Burscheid

Die Sammlung Paul Luchtenberg

Paul Luchtenberg (1890 – 1973) begann Ende der 1920er Jahre eine bedeutende Sammlung zur Kunst des 19. Jahrhunderts aufzubauen. Insbesondere die Künstler der sog. „Düsseldorfer Schule“ bilden darin einen Schwerpunkt. Dieser Zeit war Paul Luchtenberg auch durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, vor allem zu Wolfgang Müller von Königswinter, dem sog. „rheinischen Poeten“ verbunden. Unter den Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen des Düsseldorfer Künstlerkreises nehmen die Werke von Carl Friedrich Lessing, der Schüler Wilhelm von Schadows an der Düsseldorfer Kunstakademie war, zusammen mit Werken von Caspar Scheuren und Johann Schirmer eine herausragende Position ein. Sie fügen sich nahtlos in die Sammlung an der Städtischen Galerie Villa Zanders, die ebenfalls einen Schwerpunkt auf die Malerei der Düsseldorfer Schule legt.

Dr. Paul Luchtenberg stammte aus Burscheid. Nach einer Zeit als Volksschullehrer studierte er Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Religionslehre. Nach der Promotion wurde er 1920 an der Universität zu Köln habilitiert und lehrte an den Technischen Hochschulen in Darmstadt und Dresden. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er aus der Lehre verbannt und arbeitete als Historiker und Landwirt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte er zu den „Männern der Stunde Null“ und war Mitbegründer der FDP. 1956-58 war er Kultusminister des Landes NRW. Luchtenberg war Mitglied des Bundestages und initiierte zahlreiche Einrichtungen wie den Deutschen Wissenschaftsrat.

Die Städtische Galerie Villa Zanders ist außerordentlich erfreut über die unbefristete Dauerleihgabe von ca. 30 Werken der Paul Luchtenberg Stiftung, die es ihr ermöglicht, Lücken zu schließen und den eigenen Bestand mit neuen Akzenten zu präsentieren.

Presse:

-  Die Sammlung Paul Luchtenberg, BHB 17.10.2013 [198 KB

-  Burscheid WZ 12.09.13 [96 KB

- "Bilder im richtigen Rahmen" KStA 12.09.2013 [336 KB

Catharina Fischbach, Mädchen mit dem Blumentopf, um 1830

Catharina Fischbach

Catharina Fischbach, geb. Severin, war die Frau des Bensberger Friedensrichters Peter Fischbach. 1804 in Eschweiler bei Düren geboren, siedelte sie mit ihrer Familie 1824 nach Düsseldorf über. 1825 war der junge Maler Schirmer in der Buchbinderei ihres Vaters tätig.

Sie führte ihn an der Düsseldorfer Akademie bei Prof. H. Kolbe ein,  bei dem sie selbst seit 1824 als Privatschülerin Unterricht im Malen erhielt. Auch Peter Cornelius erteilte ihr Unterricht. Mit den Malern J. Becker und Caspar Scheuren stand sie in freundschaftlichem Kontakt.

1836 heiratete sie den Juristen Peter J. Fischbach, mit dem sie 1843-1870 in Bergisch Gladbach-Bensberg lebte. Sie starb 1872 in Düsseldorf-Kalkum.

Ein Großteil ihres künstlerischen Nachlasses befindet sich in der Städtischen Galerie Villa Zanders.

Eigenständige Leistungen sind ihre meist kleinformatigen, intimen Porträts, die überwiegend Persönlichkeiten aus ihrem persönlichen Umfeld darstellen. So konnte ein bislang nicht identifiziertes Herrenporträt erst kürzlich als Bildnis von Felix Mendelssohn-Bartholdy identifiziert werden.

Daneben schuf sie einige durch romantische Staffage belebte, literarisch motivierte Landschaften. Die wohl umfangreichste Werkgruppe müssen ihre größtenteils verschollenen biblischen Gemälde ausgemacht haben, darunter Altarbilder für Düren, Bensberg u. a.  
Egidius Mengelberg, Portrait J.W. Zanders, Kopie

Egidius Mengelberg

Von besonderer Bedeutung für die Stadtgeschichte ist die Kopie nach einem Porträt des Firmengründers Johann Wilhelm Zanders, das von dem Düsseldorfer Maler Egidius Mengelberg  gemalt wurde.

Es zeigt den jungen Unternehmer mit den Insignien des Kaufmannsstandes mit Federhalter und Papieren. Mengelberg wurde 1770 in Köln geboren und studierte 1783-86 an der Düsseldorfer Akademie. Er ließ sich 1787 in Köln nieder, war 1800-06 in Elberfeld und danach wieder in Köln zu Hause. Er ist hauptsächlich als Portätmaler hervorgetreten. 1849 starb er in Köln.
Johann Wilhelm Schirmer, Taufe am See Genezareth, um 1855

Johann Wilhelm Schirmer

Von Schirmer, dem Begründer der Düsseldorfer Landschaftsmalerei, besitzt die Galerie neben skizzenhaften Zeichnungen und Druckgrafik eine großformatige, bildmäßig ausgeführte Zeichnung. Sie stellt die Taufe am See Genezareth dar und gehört damit zu den biblischen Landschaften, die für das Spätwerk Schirmers charakteristisch sind.

Schirmer, 1807 in Jülich geboren, trat 1825 in die Düsseldorfer Akademie ein, wo er Schüler von Wilhelm Schadow wurde.

1827 gründete er zusammen mit dem Landschaftsmaler Lessing und anderen den „Landschaftlichen Componirverein“.

1839 wurde er zum Professor der Düsseldorfer Akademie ernannt. 
Er hatte viele bedeutende Schüler, hierunter auch Caspar Scheuren,Johann Wilhelm Lindlar und Carl Ludwig Fahrbach.

1854 wurde er Leiter der großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe, wo er 1863 starb.

Maria Zanders war eine glühende Verehrerin seiner Kunst. Diese Wertschätzung drückt sich beispielsweise in den Kopien aus, die sie nach den 34 biblischen Landschaften Schirmers anfertigte. Die Kopien befinden sich heute im Rathaus von Bergisch Gladbach und sind dort in die Wandvertäfelung eingelassen.
Johann Wilhelm Lindlar, Wasserfall um 1870

Johann Wilhelm Lindlar

Er ist der einzige namhafte Maler, den Bergisch Gladbach im 19. Jahrhundert hervorbrachte.

1816 geboren, war Lindlar zunächst Lehrer. 1845-1848 war er Schüler von Johann Wilhelm Schirmer an der Düsseldorfer Akademie.

1849-51 arbeitete er in einem Meisteratelier undgehörte dem Kunstverein Malkasten als Mitglied an. Von 1867-71 war er leitender Geschäftsführer des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1896 in Düsseldorf unternahm er zahlreiche Reisen in die Alpen.

Seine Atelierkompositionen schildern die unberührte Natur der schweizerischen Alpen und die mediterrane Landschaft der oberitalienischen Seen. Vereiste Gipfel, dramatische Bewölkung, schäumende Wasserfälle und eine den Elementen trotzende Vegetation sind die geläufigen Ausdrucksmittel seiner Bildsprache, in der er sich zeitlebens an seinem Lehrer Schirmer orientiert.
Gestützt auf zahlreiche, wirklichkeitsnahe Naturstudien, steigert Lindlar jedoch die realistischen Elemente, wobei das spätromantische Landschaftsideal gelegentlich von vedutenhaften Zügen überlagert wird.

Die Galerie besitzt etwa ein Dutzend Arbeiten von seiner Hand. Das über 500 Gemälde umfassende, vielfach in die Neue Welt exportierte Gesamtwerk ist weitgehend verschollen.      
Caspar Scheuren, Waldmühle, um 1850
Caspar Scheuren
1810 in Aachen geboren, zählt auch Scheuren zu den Schülern Schirmers.

Er trat 1829 in die Düsseldorfer Akademie ein und studierte 1830-34 in der Landschaftsklasse Schirmers.

1835 eröffnete er in Düsseldorf ein eigenes Atelier. Im gleichen Jahr unternahm er eine erste Italienreise, auf die 1843 eine zweite folgte.

Ab 1853 war er der Zeichenlehrer der späteren Kaiserin Augusta und hatte damit Zugang zum Hof.

1855 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt.

1864 erlitt er eine schwere Nervenerkrankung, nach der fast keine Gemälde mehr entstanden.

Er starb 1887 in Düsseldorf.

Scheuren war ein außerordentlich produktiver Landschaftsmaler, Aquarellist, Illustrator und Gebrauchsgrafiker. Im Mittelpunkt seiner Kunst stand zeitlebens der Rhein mit seinen alten Städten, Burgen, Kirchen, Sagen und Geschichten.

Die Verschmelzung von Natur, Historie und Literatur zu einem kaleidoskopartigen Ganzen kulminierte 1862 in der Aquarellfolge „Landschaft, Sage, Geschichte und Monumentales der Rheinprovinz“, die als monumentale Farblithografien eine weite Verbreitung fanden. Sein lebhaftes Interesse an der Abtei Altenberg im Bergischen hat in vielen Darstellungen ihren Ausdruck gefunden, wobei seine romantische Sicht nur für die Ruine, nicht jedoch für deren Wiederaufbau empfänglich war.

Scheuren muß mehrmals in Bergisch Gladbach gewesen sein, was durch seine Ansichten des Hauses Lerbach und des Alten Schlosses in Bensberg  bezeugt ist. 

Die Galerie besitzt mehrere Gemälde dieses Spätromantikers, hierunter eine ungewöhnlich große Ansicht einer phantastischen Burg im Geiste Schirmers als Dauerleihgabe aus Privatbesitz. Eine Kollektion hervorragender Aquarelle ergänzt diesen Bestand.
Carl Ludwig Fahrbach, Sandkuhle im Wald, 1878

Carl Ludwig Fahrbach

Der 1835 in Heidelberg geborene Carl Ludwig Fahrbach hat seine Ausbildung ab 1857 bei Johann Wilhelm Schirmer in Karlsruhe erfahren. Nach dessen Tod (1863) hielt sich Fahrbach zunächst in München auf, um sich 1867 in Düsseldorf als Maler niederzulassen. Hier starb er 1902.
Im Stil der Düsseldorfer Schule und in der Art Schirmers komponierte er Landschaften und Waldbilder mit detailreichem Vordergrund und in lebhaftem Kolorit. Ab 1870 werden seine Bilder freier und freundlicher. Die Tages- und die Jahreszeiten werden variiert.
Für Bergisch Gladbach hat Fahrbach eine besondere Bedeutung, weil er mit Maria Zanders befreundet war und in ihrem Haus aus und ein ging. So verdanken wir ihm etliche aufschlussreiche Ansichten der Villa und der Stadt, wie sie sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts darstellten.
Außer den genannten Künstlern umfasst die „Kommunale Galerie“  noch Gemälde von Andreas Achenbach (1815-1910) und Carl Hilgers (1818-1890), die ebenfalls zur Düsseldorfer Schule gehören, ohne einen besonderen Bezug zu Bergisch Gladbach zu haben.

Die von dem Düsseldorf Bildhauer August Wittig (1823-1893) stammende Marmorbüste des Carl Richard Zanders, eines Sohnes von Maria Zanders, und die bekannte Gladbacher Persönlichkeiten  darstellenden Porträtmedaillons des Medailleurs Hermann Wittig (1845-1882), der mit einer hiesigen Industriellentochter verlobt war, runden den Bestand ab.