© Caspar Scheuren, Blick vom Grafenberg auf Düsseldorf, um 1844. Öl auf Leinwand, 61,0 x 93,5 cm. Ehem. Galerie G. Meier, München.

Caspar Scheuren - Leben und Werk eines rheinischen Spätromantikers

11.7. - 12.9.2010

Der 1810 in Aachen geborene und 1887 in Düsseldorf gestorbene Schirmer-Schüler Caspar Scheuren feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Er war zu Lebzeiten ein populärer, hoch geachteter Landschaftsmaler und Graphiker und galt als einer der meistbe-schäftigten und produktivsten Düsseldorfer Künstler. Mit vielen Dichtern und führenden Persönlichkeiten der Düsseldorfer Gesell-schaft stand er in engem Kontakt. Die Mitglieder des preußischen Königshauses protegierten ihn, verstand es doch Scheuren wie kein anderer, die kulturpolitischen Leistungen der Hohenzollern am Rhein in komplexen farblithographischen Folgen und Alben anschaulich und populär zu machen. Oft war er in Koblenz zu Gast bei Königin Augusta, die sich von ihm in der Aquarellmalerei unterrichten ließ. Die Akademie ehrte Scheuren 1855 mit dem Professorentitel. Aus einfachen Verhältnissen stammend, hatte er 1829-1834 die Düssel-dorfer Akademie unter Schadow besucht und Freundschaft mit den führenden Landschaftsmalern der Rheinmetropole Johann Wilhelm Schirmer und Carl Friedrich Lessing geschlossen. Ihre Kunst war für Scheuren vorbildlich, bevor er seinen eigenen, die unmittel-bare Naturbeobachtung mit dem reichen Erbe der romantischen Tradition verbindenden Stil fand.

Seine Kunst hat ihren Schwerpunkt im Rheinland, dessen reiche Sagenstoffe ebenso in seine Kunst Eingang fanden wie die Ritterromane von Walter Scott und die Gedichte Ludwig Uhlands. Scheuren wurde nicht ganz zu Unrecht als der Poet unter den Malern gepriesen. Seine stimmungsvollen Landschaften mit ihren Burgen, Kapellen, Rittern, Räubern, Mönchen und Eremiten beschwören mit Wehmut das Bild einer Vergangenheit herauf, die ihren Zauber schon längst durch die voranschreitende Industrialisierung und einen neuen, nüchternen Realitätssinn verloren hatte. Diesem neuen, auch in der Malerei aufkommenden Realismus folgte Scheuren nicht. Er setzt der Welt des Tatsächlichen beharrlich den Traum und die Imagination entgegen.

Der Vielfalt der Aufträge konnte er nur durch eine ökonomische Arbeitsweise gerecht werden. Er schöpfte aus einem großen Formen-repertoire, aus dem er immer wieder neue und andere Zusammen-stellungen komponierte. Seine Kunst ist kombinatorisch, flexibel und universal, indem sie für alle nur denkbaren Gelegenheiten und Funktionen bis hin zur damals neuartigen kommerziellen Werbung Lösungen bereitstellt. In seiner Atelierpraxis begegnen uns unternehmerische Aspekte, die für die gesamte Düsseldorfer Kunst von Interesse sein dürften. Heute ist dieser in allen Medien und Techniken gleichermaßen agierende Tausendsassa, dessen Werke über ganz Europa und die USA verstreut sind, kaum noch bekannt. Es lohnt sich, ihn wiederzuentdecken, fand doch die romantische Malerei mit seinem vielseitigen Werk einen letzten, anrührenden Endpunkt.

Der 384 Seiten umfassende, mit mehr als 500 größtenteils farbigen Abbildungen opulent ausgestattete Katalog begleitet die vom 19. September 2010 bis zum 16. Januar 2011 in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach zu sehende große Ausstellung.
Katalog und Ausstellung zeigen in aller Ausführlichkeit das weithin unbekannte Lebenswerk dieses rheinischen Meisters.

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