Ansichten der Stadt

Bergisch Gladbach in Bildern aus drei Jahrhunderten

19. August 2007 bis 13. Januar 2008

In der relativ jungen Stadt Bergisch Gladbach, der 1856, also vor gut 150 Jahren Stadt, die Stadtrechte verliehen wurden, setzt die bildliche Überlieferung naturgemäß relativ spät ein. Sie beginnt im größeren Stil erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Herausbildung bürgerlicher Strukturen. Damals kamen die Studenten der Düsseldorfer Akademie über Altenberg auch in unsere Gegend zeichneten hier. So waren Caspar Scheuren und Andreas Achenbach, zwei später hin prominente Landschafter, mehrmals hier.

Zeitlich voran gingen diesen zunächst wohl ohne konkrete Aufträge entstandenen Bildern allein die Darstellungen des barocken Bensberger Jagdschlosses, hierunter das kolossale Jagdgemälde des Jan Weenix von 1712, das Kurfürst Jan Wellem zur Ausstattung seines Schloßneubaus in Auftrag gegeben hatte. Es zeigt im Hintergrund eine idealisierte Darstellung des Schlosses. Besonders ausführlich hat sich ca. 70 Jahre später der Schweizer Maler Caspar Wolf mit Schloß Bensberg und seiner herausgehobenen Lage auseinandergesetzt. Er hat den Bau in etlichen Aquarellen und Zeichnungen festgehalten, ohne daß wir wüßten, wer sein Auftraggeber war.

Vor allem aber ist die bildliche Überlieferung aufs engste verbunden mit den architektonischen Zeugnissen der industriellen Entwicklung der Stadt. So wurden die Mühlen, aber auch die Anlagen des Zinkbergbaus in z. T. aufwändigen Gemälden und lithographischen Blättern zumeist im Auftrag der Eigentümer dargestellt.

Besondere Hervorhebung verdienen die Ansichten aus der Innenstadt von dem Maler Carl Ludwig Fahrbach. Dieser späte Schirmer-Schüler wurde von Maria Zanders sehr geschätzt und gefördert. Er war oft bei ihr zu Gast in der Villa Zanders. Ohne seine gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen spätromantischen Gemälde hätten wir kaum eine Vorstellung vom damaligen Aussehen der Innenstadt, in der die überkommene dörflich-ländliche Idylle unvermittelt auf die Zeichen regen Gewerbefleißes trifft.

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Im 20. Jahrhundert nimmt die - nun auch in zunehmenden Maße von Laien getragene – Bilderproduktion deutlich zu, jedoch läßt das dokumentarische Interesse nach zugunsten einer freieren, sich mehr und mehr vom konkreten Bildgegenstand lösenden und das ganz persönliche Landschaftserlebnis in den Vordergrund stellenden Auffassung von Malerei nach. So widmet der aus Ungarn stammende Maler Denes Ösz den herausragenden Bauten der Stadt zwar seine Aufmerksamkeit, aber um über diese Motive vor allem sein expressives Farbverständnis vorzuführen.

Die Ausstellung vermittelt in rund einhundertfünfzig Exponaten aus musealem und privatem Besitz ein facettenreiches Bild der Stadt. Sie dokumentiert nicht nur ihr Werden und Wachsen, sondern auch, daß dem latenten Wandel vieles zum Opfer fiel. Und hätten nicht die Maler so manchen Winkel festgehalten, wäre unser Wissen um das Vergangene erheblich ärmer.

Das Dokumentarische ist jedoch nur ein Aspekt der Ausstellung. Ebenso spannend und vielseitig sind die künstlerischen „Ansichten der Stadt“. Sie umfassen arkadische Landschaftsinterpretationen ebenso wie das Sachlich-Technische betonende Bestandsaufnahmen von Architektur, spätromantische Landschaftsverklärungen ebenso wie visionäre Übersteigerungen und expressive Deformationen.

Es geht eigentlich immer um eine innere Sicht, um die unterschiedliche Art und Weise, wie Menschen ihre Umwelt und sich selbst als Teil dieses von Menschenhand gestalteten Lebensraumes wahrgenommen haben

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