Heike Weber - 23

28.02. – 29.05.2016

Heike Weber (Jg. 1962) hat 1998 mit ihrem Salonstück im Grünen Salon der Villa Zanders ein neues Kapitel in ihrem Werk aufgeschlagen, das ihre Arbeit entscheidend vorantrieb. Von der Linie ausgehend, wiederholte sie den Grundriss des Raumes in einem immer weiter sich verjüngenden Rapport so lange, bis der gesamte Boden ausgefüllt war. Es entstand eine vibrierende, den Schritt verunsichernde Struktur, die an seismografische Linien oder auch an die wunderschönen Muster des Malachit erinnerte.

Nach fast zwanzig Jahren kehrt die inzwischen international anerkannte Künstlerin zurück und präsentiert in einer retrospektiv angelegten Einzelausstellung die Vielfalt ihres Oeuvres. Der Titel „23“ nimmt Bezug auf die Zeitspanne zwischen der ältesten und der jüngsten Arbeit der Ausstellung: 1993, am Beginn ihrer Karriere, zeigte sie im Kölnischen Kunstverein ihre Styropor-Kuben, die jetzt erstmals wieder zu sehen sind. Darüber hinaus steht die 23 in enger Verbindung zum utopischen und ideologischen Hintergrund der Pop-Kultur, einer wichtigen Referenzgröße in diesem Werk.

Als zentrales Phänomen zieht sich das Thema Vernetzung durch ihre facettenreichen Werkgruppen: Das Netz erscheint als reales Haarnetz in Form einer wandfüllenden Zeichnung oder als abstraktes Gespinst fliegender Kuben aus farbiger Kordel. In ihren überbordenden Bodenzeichnungen breiten sich netzartige Strukturen über ganze Räume und halten uns wie in einem Geflecht gefangen.

Einen Schwerpunkt innerhalb der Einzelobjekte bilden ihre jüngst entstandenen Scherenschnitte. Mit diesen großformatigen Arbeiten aus schwarzem Fotokarton positioniert sich Kunst aus Papier in einer ganz eigenen Spielart. Vegetabile Formen in mehreren Lagen sorgen hier für eine irritierend unruhige Plastizität.

Mit großer Leichtigkeit und einem an der Natur geschulten Sinn für die Wirkmacht der Erscheinungen unterwandert Heike Weber eingeübte Wahrnehmungsmuster. Wenn sie spielerisch die örtliche Situation auf den Kopf stellt, fordert sie die Orientierung heraus bis hin zu körperlichen Grenzerfahrungen. Aus der Erschütterung folgt ein veränderter Blick auf die Welt und die eigene Verortung.

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